Das russische Imperium und seine Panzer

Die Russische Föderation stellt sich selber gerne als unfehlbare Supermacht dar. Die Wirklichkeit sieht leider ganz anders aus. Ein wunder Punkt der russischen Gesellschaft sind die Errungenschaften des sogenannten militärisch-industriellen Komplexes. Ein Highlight ist der Kampfpanzer T-14 „Armata“. Der ukrainische militärhistorische Beobachter Alexander Kovalenko geht in seinem Artikel bei sproty.info der Frage nach, welche Prestigeprojekte zur Zeit im Fokus der russischen Medien stehen.

In jüngster Zeit widmet man sich verstärkt der Einführung des Panzers T-90M „Impuls“ in die russischen Streitkräfte. Die Medien und andere Informations-Plattformen beleuchten die neuen Modelle mit einem einzigartigen hurrapatriotischem Impuls, schaffen so den notwendigen medialen Eindruck von Größe.

Und tatsächlich wurden am 3. April eine neue Charge T-90M „Impuls“, insgesamt 10 Stück, an die 2. Garde Motschützen-Division in Taman übergeben. Sie gehört zur ersten Panzerarmee im westlichen Militärbezirk. Es ist in der Realität aber nicht so einfachen, wenn der russische Panzerbestand aktualisiert und erweitert wird.

Die Sache ist die, dass die neuen Panzer vom Type T-90M „Impuls“, im Zeitraum von 2017 bis 2019 im Rahmen eines Modernisierungsprogramms bestellt wurden. Es ist allgemein bekannt, dass es um 10 Fahrzeuge geht. Und genau hier beginnt das Interessante.

Die in dieser Woche an die 2 Garde Motschützen-Division in Taman übergebenen Panzer des Types T-90M „Impulse“ sind die ersten und die letzten Einheiten im Rahmen des Modernisierungsprogramms der Panzertruppen mit dieser Spezifikation. Der Rest der insgesamt 160 Einheiten werden Panzer vom Type T-90A sein, die auf das technische Niveau T-90M aufgerüstet werden. Diese befinden sich im Bestand der 7. Militärbasis in Gudauta im besetzten Abchasien, der 27. motorisierten Infanterie-Brigade, und der 6. separaten Panzer-Brigade in der Region Nischni Nowgorod. Russland wird praktisch damit beschäftigt sein, die vorhandenen Fahrzeuge der Panzertruppen zu modernisieren und weniger auf die Auslieferung neuer Panzer zu zählen.

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Ehrlich gesagt, dass ist ein sehr logischer und wirtschaftlicher Ansatz. Interessant dabei ist, dass auch die Ukraine mit der Wiederherstellung, der Reparatur und Modernisierung ihres Panzerbestandes (T-64, T-72 und T-80) beschäftigt ist. So war es auch die Armee russischer Pseudo-Experten und mit der russischen Propaganda in der Ukraine verbundene Personen, die behaupten, dass die ukrainischen Behörden den Streitkräften keine neuen Panzer zur Verfügung stellen. Auch die Argumente, dass es für die Ukraine unwirtschaftlich ist, teure Panzer des Types „Oplot“ zu bauen, wenn man eine sehr große Modernisierungsreserve hat, wurden von den Pseudo-Experten ignoriert. Stattdessen haben sie die Diskussion angeheizt.

Und nun kommt der Bumerang zurück? Nachdem sich Russland über den Totalausfall des T-14 „Armata“ im Klaren wurde, erkannte man sich in einer Situation befindet, in der es nicht so einfach ist, der Truppe einen neuen und modernen Panzer zur Verfügung zu stellen. Und das so sehr, dass man von offizieller Seite schon die Nachteile der Serienproduktion des T-14 „Armata“ diskutiert und die Möglichkeiten der Aufrüstung des T-72 in Betracht zieht.

Analog verhält es sich mit dem T-90. Anstatt diesen Panzer zu produzieren, der im Wesentlichen nur ein modernisierter T-72 ist, begann Russland mit der Modernisierung ver vorhandenen Kampffahrzeuge. Es versteht sich von selbst, dass die Modernisierung im Zeichen der bekannten Marke „was die Welt noch nicht gesehen hat“ abläuft. Der T-90M „Impuls“ wird schon fast als Ersatz für den T-14 „Armata“ betrachtet. Macht man das nicht, um ein größeres Fiasko abzuwenden?

Für die Armee der russischen Pseudo-Experten ist es ein schwerer Schlag, dass die Zeitung The Nation Interest in ihrem Artikel die ukrainische Modernisierung des T-80 besser bewertete, als das russische Modell. Die Russen ihrerseits beleidigten die amerikanischen Experten, versuchten ihre Panzer zu rechtfertigen und die Argumente des The National Interest zu widerlegen.

Und das alles, weil die Amerikaner die Russen an einen wunden Punkt getroffen haben. Die übermächtige Supermacht, mit ihren beispiellosen militärisch-industriellen Komplexes, das keinen neuen Panzer zu Stande bring und auf sein sowjetisches erbe zurückgreifen muss und zweifelhaft modernisiert. Ein Land mit dem Bruchteil des russischen Budgets erzielt ein besseres Ergebnis bei der Modernisierung.

Daher ist das Problem der Modernisierung russischer Panzer sehr schmerzhaft. Schließlich werden viele Fakten der „Supermacht“ ans Licht gebracht, die man gerne verbergen und nicht ansprechen möchte.

In diesem Zusammenhang geht es nur um eine Frage. Wann werden die Russen endlich eine modernisierte Variante des T-62 zeigen, die dem T-14 „Armata“ in nichts nachsteht.

Ein Artikel von Alexander Kovalneko, der auf sproyv.info in russischer Sprache erschienen ist.