Das Trauma einer Stadt

Die Perle am Schwarzen Meer erlebte am 2. Mai 2014 ein bisher nicht überwundenes Trauma. An diesem Tag brannte das Gewerkschaftshaus im Zentrum der Stadt. Dabei verloren viele Menschen ihr Leben. Bis heute konnten die Täter und ihre Hintermänner nicht ermittelt werden.

Die Ereignisse jenes 2. Mai spielen in einer Zeit, in der die ganze Ukraine von einer welle von Separatismus und verdeckter russischer Aggression heimgesucht wird. Es ist mittlerweile ein offenes Geheimnis, dass auch die Region Odessa von Separatisten aus der Ukraine herausgelöst werden sollte. Ziel war es, die Region mit den besetzten Gebieten in Moldawien zu vereinen. Auf diesem Wege hätten die russischen Streitkräfte in Transnistrien einen direkten Zugang zum Schwarzen Meer erlangt. Zum Glück sind diese Pläne aber gescheitert.

Was war damals passiert? Im Vorfeld eines Fußballspieles kam es in der Innenstadt zu einem „Marsch der Einheit“, dem sich Anhänger der unterschiedlichen politischen Strömungen im Land anschlossen. Beobachter sprachen von 2000 Teilnehmern. Der pro-ukrainische Protestzug marschierte zum Gewerkschaftshaus, welches von pro-russischen Anhängern besetzt wurde. Augenzeugen zufolge bewarfen sich beide Seiten mit Brandsätzen.

odessa-2577871_1920

In vielen Berichten ist davon die Rede, dass das Innere des Gebäudes sehr schnell ausbrannte. Auch das die Opfer keine Möglichkeit hatten, den Flammen zu entkommen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass solche Brände durch geschleuderte Brandsätze verursacht werden. Hier wusste jemand sehr genau, was er tat. Bis die Polizei die Lage unter Kontrolle bekommt, vergehen viele Stunden. Die Toten können leider nicht mehr sprechen.

Heute ist der 2. Mai in Odessa ein offizieller Feiertag. Jedes Jahr erinnert die Bevölkerung mit einem Gedenkmarsch an die Ereignisse jenes denkwürdigen Tages. Sie gedenken der 48 Toten und über 200 Verletzten. Die Mehrzahl der Opfer fand man damaligen Haus der Gewerkschaften.

Von dem Trauma hat sich die Stadt bis heute nicht erholt. Das Leben geht weiter und die politischen und gesellschaftlichen Kräfte scheinen kein sehr großes Interesse an der Aufarbeitung zu haben. Die Korruption blüht besser, wie je zuvor.

So geht das Leben weiter, bis sich die nächste Revolution ihren weg sucht.