Der Kreml hat für Venezuela kein Geld mehr

Die ganze Welt ist mit der Eindämmung der Coronavirus-Pandemie beschäftigt. Das Thema bestimmt weltweit die Titelseiten der Zeitungen und führende Newsfeeds. Viele andere Ereignisse spielen auf der Agenda der Medienunternehmen eine untergeordnete Rolle. Der militärpolitische Beobachter Alexander Kovalenko beschäftigt sich in seinem Artikel mit den aktuellen Entwicklungen in Lateinamerika.

Der russische Ölkonzern Rosneft hat die Einstellung seiner Aktivitäten und den Verkauf aller Vermögenswerte in Venezuela angekündigt. Das Unternehmen besitzt umfangreiche Vermögenswerte in Venezuela. Der russische Monopolist hat in den vergangenen Jahren praktisch die Kontrolle über die gesamte Ölförderung des Landes und alle Unternehmen, wie zum Beispiel Petromonagas, Petroperija, Boqueron, Petromiranda und Petrovictoria, übernommen.

Die Investitionen waren groß. Es hat aber nur zur Kontrolle über die petrochemische Industrie des Landes geführt. Durch das Öl-Embargo ist das Geschäft nicht mehr lukrativ. Es ist in Zeiten fallender Ölpreise unrentabel, Marionettenmonopole in Übersee aufrecht zu erhalten. Und das sagt viel aus.

Die Sache ist die, dass trotz der Sanktionen gegen Russland, die im Zusammenhang mit der Intervention in der Ukraine verhängt wurden. Und trotz dem willkommenen Fall der Öl- und Gas-Preise in den Jahren 2014 und 2015, sind die Preise für Gold nicht unter die Wirtschaftlichkeitsgrenze gesunken.

Dadurch hatte Russland die Möglichkeit, die Ausgaben für soziale Projekte, die Unterstützung der lokalen Wirtschaft und der Bevölkerung im Ganzen, auf ein Minimum zu reduzieren und gleichzeitig weiter seine geopolitischen Ziele zu verfolgen.
So ist es Russland zum Beispiel gelungen, dass Regime von Baschar al-Assad in Syrien an der Macht zu halten, seine Präsenz in Afrika zu erhöhen, Khalifa Haftaru in Libyen zu unterstützen. Es war ebenso möglich, die besetzten Gebiete in Moldawien (Transnistrien), der Ukraine (DNR/LNR und der Krim) bis hin nach Georgien (Abchasien) zu versorgen. Genau so wie man Nicholas Maduro in Übersee unterstützte.

Aber mit dem rasanten Verfall der Öl- und Gas-Preise zu Beginn des Jahres 2020 stehen alle Projekte auf der Kippe. Der Kreml ist gezwungen, einige Projekte zu Gunsten anderer aufzugeben. Auch wenn es mit großen Verlusten geschieht.

Venezuela ist für Russland ein wichtiges und einträgliches Projekt. Nicht nur, weil dass Land über bedeutende Ölreserven verfügt. Sondern auch, weil es eine ideale Ausgangsbasis ist, die Region zu destabilisieren. Das Ganze in unmittelbarer Nähe der Vereinigten Staaten. Gleichzeitig kontrolliert man den Drogenhandel in der Region. Was braucht man mehr? Besonders dann, wenn bereits private russische Söldner-Armeen in Venezuela aktiv sind. Im vergangenen Jahr hatte man auch geplant, Teile der Flotte und Raketen dorthin zu verlegen, da sie nicht unter den INF-Vertrag fallen.

Aber das war im vergangenen Jahr, als es die finanziellen Mittel der Russischen Föderation dafür noch ausreichten. Aus diesem Grund hat der Autor des Original-Artikels auf sprotyv.info im Jahr 2019 einen Beitrag des Wall Street Jounal kritisiert, in dem unter Bezugnahme auf informierte Kreise berichtet wurde, dass ein großer Teil der russischen Spezialisten Venezuela bereits verlassen hat. Das würde ja auf ein Ende der russischen Präsenz in dem Land hindeuten. Die Informationen des Wall Street Jounals entsprachen nicht den Tatsachen. In dieser Zeit war Venezuela ein idealer Brückenkopf, auf den man selbst unter Androhung von Konflikten nicht verzichten wollte.

Aber es ist eine Sache, wenn das Leben von Militär-Angehörigen bedroht ist, die der Kreml nie geschätzt hat. Eine andere Sache ist es, wenn man Milliarden von Dollar durch abstürzende Ölpreise verliert.

Der Kreml ist gezwungen, sich die Pattsituation in Venezuela einzugestehen. Der Rückzug von Rosneft ist nur der Anfang eines umfassenden Rückzuges der Russischen Föderation aus dem fernen lateinamerikanischen Land. Der Rückzug, der vermutlich nicht vollständig sein wird, wird von Verhandlungen mit der amerikanischen Regierung begleitet. Ein Ölpreis von 25 Dollar pro Barrel zwingt den Kreml, seine Projekte in der Region einzustellen. Und das sagt eine Menge aus.

Militärpolitische Beobachter Alexander Kovalenko