Der russische Geldadel wird unruhig

Der russische Journalist Anton Krasovskij, der gewöhnlich gut über die Lebensumstände der Eliten informiert ist, sprach mit der Zeitung »Echo Moskau« über mögliche neue Sanktionen gegen Russland. Seiner Meinung nach, könnten bald über 50000 Russen auf den Sanktionslisten der USA stehen. Während eines Auftritts in der Sendung »Persönlich« spricht er über mögliche Entwicklungen und die Reaktionen der russischen Eliten.

Die geplanten Sanktionen der USA sollen eine neue Dimension erreichen. Es nicht nur das Umfeld des Präsidenten und einzelnen Personen der Aministration betroffen. Nein, die neuen Sanktionen zielen auf alle reichen Menschen ab, die ihre Reichtümer noch vor der Ära Jelzins angehäuft haben. Wenn wir uns die Zeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion noch einmal vor Augen führen, erkennen wir schnell, um welche Klientel es dabei konkret geht. Jene Personen, die sich das Eigentum der der damaligen Sowjetunion angeeignete haben, die es mit brutaler Gewalt genommen und verteidigt haben. Für manch einen ist »Raket« (Schutzgelderpressung) ein einträgliches Geschäftsmodell. Genau jene, die sich über eine lange Zeit einen unerbittlichen Bandenkrieg geliefert haben.

Es ist auch im Gespräch, die Regeln der Sanktionen zu ändern. Bis heute hat man sich auf das Kapital einzelner Personen konzentriert. In Zukunft sollen auch die Vermögen naher Angehöriger, wie Kinder oder Ehefrauen einbezogen werden. Höchstwahrscheinlich werden alle Konten in den Vereinigten Staaten eingefroren. Das dürfte massive Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit und das Wohlbefinden dieser Personen haben. Über nach könnten die Töchter des Präsidenten und des Außenministers – die ja im westlichen Ausland leben – ohne finanzielle Mittel da stehen.

Anton Krasovskij spricht über eine sich ausbreitende Panik unter den oberen »1000« der russischen Forbes-Liste. Man sucht verzweifelt Wege, sein angesammeltes Geld in Sicherheit zu bringen.

Die Sanktionen treffen vor allem Personen, die das Volk nach dem Zerfall der Sowjetunion um sein Eigentum gebracht haben. Jene, die sich rücksichtslos bereichert haben, die dafür gemordet haben. Also genau die Menschen, die Russland zu dem gemacht haben, was es heute ist. Der Personenkreis, der den Aufstieg des russischen Präsidenten ermöglicht hat! Ich kann nicht sagen, dass diese Form der Sanktionen übertrieben ist.

Anders ausgedrückt, dem russischen Geldadel geht es an den Kragen.

Vor vier Jahren, nach dem Erlöschen des olympischen Feuers in Sotchi, hat Russland mit der Besetzung der ukrainischen Halbinsel Krim begonnen. Ein wenig später begann der Überfall auf die Ukraine. Ziel sind die Bodenschätze und Industrieanlagen der Ukraine, die man seither ausbeutet und demontiert. Die russische Oberschicht hat hier ihr wahres Gesicht gezeigt!

Wer sich tiefer mit der Entwicklung der ehemaligen Sowjetunion geschäftigen möchte, dem kann ich das Buch von Boris Reitschuster »Putins verdeckter Krieg« nur empfehlen. Es ist eine wunderbare Zusammenstellung der Ereignisse und eine umfangreiche Quellensammlung.

Quellen und weiterführende Informationen: