Donbass – das vergessene Land

Im Frühjahr 2014 haben radikale Kräfte im Osten der Ukraine die Rathäuser besetzt und die Macht an sich gerissen. Wie wir heute wissen, waren diese Aktionen der langfristig vorbereitet und von Russland aus unterstützt worden. Nicht nur mit Geld, sondern auch logistisch und personell. Der wohl bekannteste Vertreter dieser Zunft ist Igor Strelkov, ein FSB Mitarbeiter aus Moskau. Er war auch ganz schnell dabei, sich den Abschuss von MH17 auf die Fahnen zu schreiben. Schauen wir uns einmal an, wie sich dieser Landstrich seither entwickelt hat.

Allgemein

Nach jahrelangen zähen Verhandlungen und unzähligen Waffenstillständen dauern die Kampfhandlungen an der Front an. Jeden Tag werden Häuser zerstört und sterben Menschen, auch unschuldige Zivilisten. Hin und wieder kommt es zu größeren taktischen Operationen, die einzelne Objekte oder Gebiete im Niemandsland zum Ziel haben. Die Frontlinie hat eine Länge von 1000 km. Die Lage ist festgefahren und keine der beiden Seiten kann oder will den derzeitigen Zustand ändern. Das einfache radikale Kräfte über drei Jahre einer regulären Armee widerstehen kann, ist jedem vernünftigen Menschen klar. Auch wenn man noch so viel Ausrüstung, Munition und Treibstoffe in den Schächten gefunden. Es würde an motivierten und ausgebildeten Soldaten fehlen, die an der 1000 km langen Frontlinie ihren Dienst verrichten. Selbst wenn es den einen oder anderen Freiwilligen aus anderen Regionen gibt. Eine durchorganisierte Armee entsteht nicht von heute auf morgen.

Offiziell bestreitet Moskau die aktive Beteiligung an dem Konflikt. Der Wikipedia-Artikel zu Minsk 2 meint dazu, dass der russische Präsident persönlich für eine entsprechende Formulierung gesorgt hätte, die ihm alle Optionen offenlässt. Praktisch werden die lokalen Gruppierungen durch gut ausgebildete Einheiten aus Russland unterstützt. Der Konflikt dient der russischen Rüstungsindustrie auch als Testgelände zur Erprobung neuesten Entwicklungen. Die materiellen und personellen Ressourcen, die in Russland unter den gegebenen Umständen mobilisiert werden können, scheinen begrenzt zu sein. Umfangreichere Kampfhandlungen werden zwangsläufig zu hohen Verlusten führen, die man im Land vertreten muss. Es ist heute kaum noch möglich, die Todesopfer zu erklären.

Die russischen Medien berichten täglich über die Ereignisse in den besetzten Gebieten. Eine moralische Unterstützung für die russische Seite ist dabei nicht zu übersehen.
Die ukrainische Armee hingegen ist gut beraten, die dicht besiedelten Gebiete, um Donezk und Luhansk nicht gewaltsam befreien zu wollen. Die Zerstörungen und menschlichen Verluste, auch unter der Zivilbevölkerung, wären sehr groß. Auch wenn man die besetzten Gebiete zurückgewinnt, würden die Kampfhandlungen an der Staatsgrenze zu Russland unvermindert weitergehen. Davon gehen Experten aus.

Wirtschaft

Die Wirtschaft in den besetzten Gebieten funktioniert mehr schlecht als recht. Durch die enge Verzahnung mit dem ukrainischen Mutterland ist man auf Zulieferteile angewiesen. So wie auch die erzeugten Produkte oftmals in westliche Regionen des Landes geliefert wurden. Die Blockaden und Kampfhandlungen führen dazu, dass die Lieferketten unterbrochen sind. Auch die Versorgung mit Lebensmitteln funktioniert nur unzureichend. Viele Menschen in den besetzten Gebieten leben von der ukrainischen Rente und Hilfslieferungen. Man spricht offen über den sogenannten Rententourismus.

Der Schmuggel von Waren über die Frontlinie wächst täglich. Auch die Schwarzmärkte auf beiden Seiten blühen und gedeihen. Auch die Perspektiven der russischen Wirtschaft sind nicht besonders gut.

Leben

Das öffentliche Leben ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Alle Medien und kulturellen Veranstaltungen werden von den Machthabern für ihre Zwecke genutzt. Die Menschen gehen sehr vorsichtig mit anderen unbekannten Leuten um. Da sie nie wissen können, wem sie sich anvertrauen. Es gibt einige Berichte, das Personen nach solchen »Vertraulichen« Gesprächen abgeholt wurden.

Ausblick

Unter diesen Umständen ist es schwer, eine positive Entwicklung zu erkennen. Die Lage scheint festgefahren und aussichtslos. Kürzlich feierte die Ukraine den Tag der Unabhängigkeit, und beging den dritten Jahrestag der Schlacht von Illoawaisk.
Auf politischer Seite wird jeden Tag alles getan, den Konflikt so schnell wie möglich zu beenden. Die Verhandlungen sind mühsam und bringen kaum Ergebnisse. Man vereinbart einen Waffenstilltand nach dem anderen. Aber kaum ist die Unterschrift unter den Vereinbarungen getrocknet, werden sie auch schon gebrochen.

Russland versucht sich mit seinen zahlreichen Manövern zu positionieren.