Ein Land ohne Zukunft

Seit nunmehr sechs Jahren halten die sogenannten Separatisten im Osten der Ukraine offiziell die Zügel in de Hand. Auch in Zeiten der Corona-Virus Pandemie geht der lang ersehnte Aufbau des Landes voran. Aber wie sieht dieser Aufbau genau aus. Schauen wir etwas hinter die Kulissen.

Der ukrainische Blogger „Wolnodumez“ schreibt regelmäßig sehr detailliert in seinem Channel auf Telegramm über die aktuelle Entwicklung im Land der Sehnsüchte. In jüngster Zeit häufen sich die Berichte über die Schließung von Bergwerken und dem Anstieg der Arbeitslosigkeit. In der Tat sollen wohl kaum noch Betriebe im gelobten Land existieren. Und nur wenige arbeiten wirklich. Wer einen der begehrten Stellen bekleiden darf, muss schon mal mehrere Monate auf seinen ehrlich verdienten Lohn warten.

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Wenn man den Berichten ein bisschen Glauben schenken mag, dann arbeiten nur noch die Unternehmen, die die russischen Truppen direkt oder indirekt versorgen. Besser gesagt, jene Unternehmen, die das erste und zweite Armee-Corps zur Sicherstellung seiner Aufgaben benötigt. Und die aktuelle Aufgabe für die nächsten Monate ist wohl die Schaffung des Landkorridors zur Krim. Einschließlich der Wiederherstellung der Wasserversorgung der Halbinsel. Dass dieses Projekt kaum eine Aussicht auf Erfolg hat, ist vermutlich auch den russischen Offizieren bewusst.

Das würde den Eindruck eines übergroßen Feldlagers der russischen Armee bestätigen. Die Anwesenheit legaler russischer Truppen wird zwar seit Jahren von der russischen Regierung geleugnet. Für alle Beobachter und Beteiligten ist deren Existenz jedoch unbestritten. In den sozialen Netzwerken trifft man hin und wieder auf übermütige Draufgänger, die die Existenz leugnen.

Auch die Infektionszahlen aus diesen Gebieten muss man genauer hinterfragen. Wer den russischen Zahlen schon kaum Glauben schenkt, muss hier in der Interpretation noch kreativer werden. Die Nachrichten des Wunderlandes werden von den militärischen Erfolgen der Armee oder stupiden Anschuldigungen gegen die Regierung in Kiew bestimmt. Über die Corona-Virus-Pandemie wird ausschließlich nur im Zusammenhang mit anderen Ländern berichtet. Selber ist man natürlich nicht betroffen. Die Realitäten werden deutlich anders aussehen.

Das fragt man sich zwangsläufig, wie denn die wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Zukunft der besetzten Gebiete im Osten der Ukraine aussehen mag. Selbst mit sehr viel Optimismus kann man nur ein düsteres Bild zeichnen. Die Betriebe sind verschlissen und geplündert. Die Bevölkerung genießt die unermüdlichen Bemühungen der russischen Propaganda. Und die Jugend? Die Jugend will nur noch kämpfen …