Ein Leben in Armut

Die wirtschaftliche Situation Russlands und seiner Bürger wird in unterschiedlichen Quellen immer sehr unterschiedlich beurteilt. Auch die statistische Bewertung von Armut in dem Riesen-Reich könnte unterschiedlicher nicht sein.

Das russische Statistik-Amt teilte Mitte September mit, dass die Armut in Russland im zweiten Quartal deutlich zugenommen habe. Nach diesen Angaben seien leben jetzt fast 20 Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Das sind 13,5 Prozent der Bevölkerung.

Jeder siebente Bewohner Russlands hat weniger als das statistische Mindesteinkommen, welches vom Arbeitsministerium festgelegt wird, zur Verfügung. Das sind allerdings nur statistische Zahlen, die den blühenden Schwarzmarkt nicht berücksichtigen. Wie wir wissen, wir ein nicht unbedeutender Teil der Wirtschaftsleistung des Landes in der sogenannten Schattenwirtschaft erbracht.

Im Vergleich zum zweiten Quartal des Vorjahres, ist die Anzahl der Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben, um 1,3 Millionen Personen angewachsen. Das sind immerhin 0,7 Prozent der Bevölkerung. Das wäre ein negativer Rekord seit 1999.
Die Lage könnte aber noch wesentlich kritischer sein. Die russische Statistik-Behörde teilte zudem mit, dass man nicht unerhebliche Mittel für die Unterstützung von Bedürftigen im Rahmen der gegenwärtigen Pandemie aufgewendet hätte. Ein Großteil der Mittel wurde an Familien mit Kindern ausgezahlt.

Die allgemeine Lage der russischen Wirtschaft kann nicht sonderlich gut sein. Die Preise für fossile Rohstoffe haben sich auf den Weltmärkten auf einem relativ niedrigen Niveau eingependelt. Die Zeiten kontinuierlicher Preissteigerungen sind vorerst Geschichte. Das betrifft vor allem die Erlösen aus dem Verkauf von Erdöl und Erdgas. Der russische Staatshaushalt stützt sich zu einem nicht unerheblichen Teil auf den Verkauf dieser Energieträger. Die russische Wirtschaft und die Sozialsysteme des Landes sind praktisch davon abhängig.

Ein anderer Aspekt ist, dass die Erschließung und Förderung des schwarzen Goldes in Russland immer aufwendiger wird. Auch die verhängten Sanktionen behindern die russische Öl-Industrie. Russland ist auch gezwungen, sich neue Absatzmärkte für seine wichtigsten Produkte zu erschließen. Die neue Gas-Trasse „Nordstream 2“ ist dabei nur eines von vielen Projekten.

Wie man die Sache auch dreht oder wendet. Die Lage der russischen Wirtschaft und der russischen Gesellschaft ist nicht optimal. Die Perspektive muss man als eher düster ansehen. Man muss davon ausgehen, dass die Zahl jener, die unter der Armutsgrenze lebt, weiter ansteigen wird. Diese Szenarien haben in der russischen Geschichte leider eine sehr lange Tradition.

Quellen: