Ein Telegramm für Dich

Das russische Messenger Telegramm wird zur Zeit häufiger in verschiedenen Medien thematisiert. Die russische Regierung drohte damit, die Nutzung in ihrem Einflussbereich zu unterbinden. In ein Gesetz gegossen schritt man vor kurzem zur Tat. Seither versucht man, nicht das Gesicht zu verlieren.

Wie bei allen Kommunikationskanälen wollen die russischen Gummiohren auch hier ihre Nasen rein stecken, die Nutzer überwachen. Eine schon krankhafte Eifersucht, nicht alles zu wissen, treibt die russische Regierung auf die Palme. Als sich herausstellte, dass die Software hocheffektiv verschlüsselt ist und der Entwickler nicht kooperieren will, greift man zum üblichen Mittel – man verbot es. Der Entwickler hatte zwischenzeitlich das Land verlassen. Wir wissen alle zu gut, was Personen droht, die sich gegen die Wünsche der Oberen stellen.

Die russische Regierung behauptet, dass dieses Programm vorzugsweise von Terroristen zur Planung und Durchführung von Anschlägen genutzt wird. Allerdings ist der Dienst auch bei pro-westlichen Aktivisten in Russland sehr beliebt. Also genau jene Personengruppe, die man in Russland schon einmal erschießt oder vergiftet.

Die Programmierschnittstelle der Software ist auf der Seite des Herstellers ausführlich beschrieben. Selbst der Verschlüsselungsmechanismus zwischen den Nutzern wird besprochen. Es fehlen allerdings Beschreibungen der zentralen Server und der Kommunikationswege. Die Clients werden für die unter Plattformen werden zum Download angeboten.

Die russischen Behörden versuchen, seit einiger Zeit alle bekannten IP-Adressen zu blockieren, die zu den amerikanischen Servern führen. Eine Methode, die ein bisschen an den Zeichentrickfilm »Hase und Wolf« erinnert. Es liegt in der Natur der Sache, dass beim massenhaften Blockieren von IP-Adressen auch die eine oder andere ungültige Adresse dabei hat. Dass diese Zugangspunkte zu Unternehmen, Behörden oder Internetprovidern gehören können, lässt sich nicht immer ausschließen. Auf der anderen Seite ist es recht einfach, neue IP-Adressen einzurichten, über die die Kommunikation laufen kann.

Das Computer-Magazin »Heise« schreibt, das die Maßnahmen der russischen Wirtschaft erheblichen Schaden zufügen. Das nennt man ein klassisches Eigentor.

Quellen

  • https://lb.ua/world/2018/04/28/396482_rossii_priznali_zablokirovat.html
  • https://www.stern.de/digital/smartphones/telegram–wie-russland-sich-bei-dem-versuch-blamiert–den-chatdienst-zu-stoppen-7957614.html
  • https://telegram.org/
  • https://www.heise.de/newsticker/meldung/Russland-Telegram-Blockade-behindert-Hunderte-Webdienste-nur-nicht-Telegram-4036708.html