Exportschlager aus Russland

Die Redaktion von sproty.info ist an Hand der vielgepriesenen russischen Systems S-300 einmal der Frage nachgegangen, was russische Waffensysteme eigentlicht taugen. Das Ergenis ist sehr ernüchternd. Und wenn man sich die Frage stelle, ob das schon immer so war muss man ganz deutlich sagen, JA – es war schon immer so.

Auf dem internationalen Markt für Waffensysteme und Ausrüstung, speziell im Bereich der Mittel der Luftverteidigungsanlagen, ist in letzter Zeit eine Verschärfung der Konkurrenzsituation zu beobachten. Diese Tendenz ist besonders auf den regionalen Waffen-Märkten des Nahen Ostens und in Nord-Afrika zu beobachten. Die Waffen-Exporteure aus der Russischen Föderation machen allen, um auf diesen Märkten einer der wichtigsten Lieferanten von Rüstungsgütern, besonders bei Boden-Luft-Raketen, zu bleiben. Ein besonderer Schwerpunkt bildet dabei der Verkauf der Systeme S-300 (9K81) und „Buk“ (9K37), sowie die entsprechenden Dienstleistungen für Wartung, Reparatur und Modernisierung.

Die militärtechnische Zusammenarbeit Russlands mit solchen Ländern, wie Algerien, Iran, Syrien ermöglicht es Russland seinen geopolitischen Einfluss in den ölreichen Regionen auszubauen und gleichzeitig erhebliche Devisen-Einnahmen zu erzielen. Gleichzeitig wird auch militärische Ausrüstung verkauft, die bei der russischen Armee außer Dienst gestellt wurde, aber in den Ländern der Region immer noch verwendet wird.

Die Causa S-300

Der Kauf von Ausrüstung zur Luftverteidigung charakterisiert eine langjährige Zusammenarbeit und Vertragsbeziehungen, weil diese militärische Spezial-Technik besondere Erfahrungen erfordert, wie zum Beispiel die Ausbildung der Bedien-Mannschaften, was wiederum zu Verträgen auf ganz anderen Gebieten führen kann. Es ist verständlich, dass Wettbewerber im regionalen Waffengeschäft für russische Exporteure äußerst unerwünscht sind.

Allerdings ändert sich die Situation dramatisch. So zum Beispiel das Luftverteidigungssystem S-300, welches Anfang der 70-iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts entwickelt wurde und mit seinen technischen Parametern nicht zur Bekämpfung von Luftangriffsmitteln der fünften Generation geeignet ist. Das hat auch Russland realisiert, wo die letzte Modernisierung des Systems S-300 der russischen Armee vor langer Zeit durchgeführt wurde, im Jahre 1994.

Seither wird das System nur für den Export produziert. Die Export-Version hat im Vergleich zur russischen Basis-Variante der S-300 wesentlich schlechtere technische Eigenschaften und Möglichkeiten. Zum Beispiel wurde die Anzahl der zu nutzenden Raketen auf ein Minimum reduziert, die Radaranlage wurde vereinfacht und die Freund-Feind-Kennung funktioniert nicht zuverlässig. Das hat der Vertreter des russischen Verteidigungsministeriums General-Major Igor Konashenkov offen zugegeben: »Die Exportversionen von Militärtechnik aus der Russischen Föderation verfügen niemals über ein Freund-Feind-Kennung System.«

Der Absturz eines russischen Aufklärungsflugzeuges vom Typ IL-20 über Syrien im September 2018 bestätigt diese traurige Tatsache. Nach vielen Spekulationen hat der Kreml anerkannt, dass das Aufklärungsflugzeug vom Typ IL-20 durch ein Flugabwehrsystem aus russischer Produktion abgeschossen wurde.

Die Bedienmannschaften russischer Luftverteidigungssysteme in Syrien waren alle schockiert, alle Truppen und die Führung, sowie die russischen Piloten. Der Minister für regionale Zusammenarbeit Israels Cachi Hanegbi hat direkt und ohne politische Korrektheit gesagt, dass russische Luftverteidigungssysteme keine ernsthafte Bedrohung für den modernen Jäger F-35 darstellen. Der Premier-Minister Israels Benjamin Netanyahu warnte die russisch-syrischen Luftverteidigungseinheiten, dass die Luftwaffe Israels weiterhin fliegen wird um die Positionen der Hisbollah im Iran und in Syrien anzugreifen.

Es ist klar, das Russland nichts anderes übrigbleibt, als nur eine „Gute Miene zum bösen Spiel“ zu machen und weiterhin versucht seine veraltete russische Militärtechnik zur Luftverteidigung an die von ihm abhängigen Verbündeten zu verkaufen.
So ist es klar, das die russischen Boden-Luft-Raketen, hier jene des hochgelobten System S-300, nicht wirkungsvoll genug sind unter realen Einsatzbedingungen und ihre hochgelobten Kampfeigenschaften lediglich auf den taktisch-technischen Daten der Werbung beruhen.

Risikoreiche Beziehungen zu Russland

Was das Raketensystem „BUK“ betrifft, wurde nach dem Abschuss des Passagierflugzeuges „Boeing 777“, Flug MH17, im Juli 2014 sehr deutlich, dass das Radar der Abschussrampe nicht in der Lage war ein Passagierflugzeug von einem Militärflugzeug oder einem anderen Flugobjekt zu unterscheiden.

Die viel gepriesene Zuverlässigkeit und „besondere“ Qualität russischer Raketentechnik im Ganzen zeigte sich kürzlich bei einem tragischen Vorfall beim Start der russischen Rakete „Sojus-FG“ mit russischen und amerikanischen Astronauten an Bord. Nachdem diese Rakete von russischen „Handwerkern“ mit Hilfe eines „Nanoschlittenhammers“ montiert wurde, kam es zu einem unvermeidlichen Unfall. Selbst Experten bestätigen, dass die Astronauten froh sein können, dass sie überlebt hatten. Die Fortführung des Programmes »Sojus-FG« ist ungewiss, da sich Versicherungen weigern diesen Raketen-Typ zu versichern. Was sagt man über ganz normalen Boden-Luft-Raketen, welche häufig ins Ausland verkauft wurden und in großer Stückzahl schon sehr lange in den Arsenalen vorhanden sind?

Heutzutage ist die Zusammenarbeit mit russischen Exporteuren von militärischem Gerät sehr riskant, besonders nachdem die Spannung zwischen Russland und den USA zugenommen haben, als die russische Führung sich von den vertraglichen Absprachen distanziert hat, auf Raketen kurzer und mittlerer Reichweite zu verzichten, sowie nach den internationalen Sanktionen gegen Russland als Folge der Aggression gegen die Ukraine. Mit diesem Thema sind sogar hochrangige Mitglieder der russischen Führung befasst, welche die USA beschuldigen, Druck auf potenzielle Käufer auszuüben und mit der Verhängung von Sanktionen drohen, wenn diese Militärtechnik bei Russland kaufen. Auf der anderen Seite sind auf dem internationalen Waffenmarkt weitaus modernere Waffensysteme verfügbar, wie zum Beispiel die Boden-Luft-Raketen „SAMP-T“ (Frankreich), „Patriot“ (USA) und „HQ-9“ (China).

Die Führung Russland versteht diese objektive negative Entwicklung des Exports russischer Waffentechnik. Die russische Führung kämpft darum, seine Geschäftspartner nicht zu verlieren, und nutzt dazu alle Mittel, einschließlich unlauterer Methoden um den Ruf seiner Konkurrenten zu zerstören.

Dazu werden mögliche Konkurrenten beschuldigt, dass sie irgendwelche „geheimen“ Informationen über russische Export-Waffensysteme verbreiten, besonders ihre Schwachstellen, geheime Betriebsarten und Besonderheiten unter Einsatzbedingungen. Die Verbraucher flüchten sich in die Illusion, dass es „nur in Russland“ die wichtige Technische Dokumentation und kompetente Ingenieure gibt, was wiederum bedeutet, das der Kauf anderer Waffensysteme und ihr Betrieb in anderen Ländern ein großes Risiko darstellen kann und die Qualität „nicht garantiert“ werden kann.

Die Absurdität dieser Mitteilungen ist offensichtlich, weil das System S-300 zu unterschiedlichen Zeiten in der Bewaffnung unterschiedlichen Ländern befindet und befand, so wie der Iran, China, Vietnam, die Länder der ehemaligen Sowjetunion und selbst NATO-Staaten, und in allen diesen Ländern gibt es Zentren für die Wartung und Reparatur dieser Technik. Die Verwendung des Flugabwehrsystem S-300 und seine technischen Daten wurden sehr oft auf zahlreichen Messen und Erprobungen in Russland und anderen Staaten angepriesen. An einer Vorführung 1995 auf dem Übungsgelände „Kapustyn Jar“ haben Delegationen aus 11 Staaten teilgenommen. Die taktisch-technischen Daten des Systems sind allen Seiten bestens bekannt und nun wirklich kein Geheimnis.

Die Luftabwehrsysteme aus russischer Produktion sind hoffnungslos veraltet und stellen sogar für jene Länder eine große Gefahr dar, die den taktisch-technischen Parametern und den Versprechungen der Hersteller vertrauten und die Systeme achtlos gekauft haben. Russland seinerseits beschuldigt weiterhin seine Konkurrenten mit ihren eigenen Misserfolgen, was in naher Zukunft zu einem neuen von Russland konstruiertem Fake-Skandal führen wird, schon um die Unzulänglichkeiten der russischen Rüstungsindustrie zu kaschieren- Es ist ein Koloss auf tönernen Füßen.

Informationeller-Widerstand

Anmerkungen

In einem anderen Artikel hatte ich das Thema schon einmal indirekt aufgegriffen. Damals ging es um hochpäzisen Schlag amerikanischer Truppen gegen angreifende SDF Einheiten in Syrien. Genau genommen haben russische Söldner die amerikanischen Stellungen angegriffen. In dieser Auseinandersetzung hat sich nicht zuletzt die Verwundbarkeit russischer Militärtechnik gezeigt.

Man muss sich dabei auch vor Augen führen, das alle Armeen des Warschauer Vertrages mit dieser Technik ausgerüstet wurden. Es braucht nicht viel Fantasie, wie eine Auseinandersetzung beider Lager ausgegangen wäre.

Die russische Führung und die Propaganda versuchen seit jeher diese gravierenden Nachteile zu vertuschen und zu überspielen. Im Grunde genommen ist es eine Fortsetzung der Traditionen des Großen Vaterländischen Krieges. Hier hat man auch sehr schnell preiswertes Kriegsgerät entwickelt und produziert. Die technischen Daten waren jenen der Gegner oft unterlegen, was durch die riesigen Stückzahlen ausgeglichen wurde.

Die politische und militärische Führungen Russlands und der Staaten des Warschauer Vertrages haben hier ganz bewusst sehr hohe Verluste an Mensch und Material in Kauf genommen.

Informationen

Hier eine kleine Zusammenstellung interessanter Beträgte und Quellen: