Hybride Szenarien des Kreml für Weißrussland

In der Vergangenheit hat Russland immer wieder Druck auf Weißrussland ausgeübt, um seine Interessen durchzusetzen. In jüngster Vergangenheit war zu beobachten, dass man die Lieferung von Öl vollständig eingestellt hat.

Manche ukrainische Quellen betrachten mögliche Szenarien, die der Kreml für seinen westlichen Nachbarn vorbereitet. Ein wesentliches Ziel des Kreml ist es, die Kontrolle über seinen westlichen Nachbarn zu behalten, besser gesagt diese auszubauen.

Eine direkte Intervention ist nach heutigen Erkenntnissen auszuschließen. Auf der einen Seite werden die intensiven Vorbereitungen niemandem entgegen. Auf der anderen Seite wäre diese Variante für den Kreml kostenintensiv, mit unkalkulierbaren Risiken verbunden. Vergessen wir nicht, dass der „Blitzkrieg“ schon in der Ukraine kläglich gescheitert ist.

Die Erfahrungen aus der Ukraine zeigen deutlich, dass man versucht, über die Vertreter der russisch orthodoxen Kirche oder den Medien Einfluss auf die Bevölkerung auszuüben.

Die Umfragen in Weißrussland scheinen deutlich zu zeigen, dass sich die Bevölkerung wenig für einen Anschluss an Russland begeistern lässt.

In ukrainischen Quellen wird unterstrichen, dass Russland in seinem Nachbarland keine größeren Militärstützpunkte unterhält. Bei der Besetzung der Krim durch russische Truppen spielten die Stützpunkte der russischen Schwarzmeerflotte eine entscheidende Rolle.

Eine Möglichkeit die Lage im Land zu destabilisieren wäre, den amtierenden Präsidenten Aljaksandr Ryhorawitsch Lukaschenka und das entstehende Machtvakuum auszunutzen. Es ist es typisch für die Staatsform, dass Präsidenten nicht freiwillig und lebend ihr Amt aufgeben. Im Jahre 1989 hat der damalige Präsident Rumäniens auf diese Weise sein Amt aufgegeben.

Wie ukrainische Quellen berichten, hat Weißrussland einen größeren Kredit von China bekommen. Damit ist das Land in nächster Zeit unabhängig von der Unterstützung seines Nachbarn. Das Russland diese Entwicklung um jeden Preis torpedieren, versteht sich von selbst.

Ein beliebtes Mittel der russischen hybriden Kriegsführung ist die Diskreditierung eines Beteiligten. Im Falle des weißrussischen Präsidenten versucht Russland, ein Unbehagen bei westlichen und chinesischen Partnern zu erzeugen. Man bedient sich dabei oft Ereignissen, die viele Jahre zurückliegen.

Wenn alle schon genannten Mittel nicht zu dem gewünschten Ergebnis führen, wird man ein mit dem potenziellen Opfer befreundeten Staat bedrohen. Das kann soweit gehen, dass man das Land zwingt eigene Truppen zu entsenden. Weißrussland unterhält zu vielen Ländern partnerschaftliche Beziehungen. Das Land ist Mitglied im „Pakt von Taschkent“, im Grunde genommen ein Nachfolger des Warschauer Vertrages der ehemaligen Sowjetrepubliken.

Die Regierung in Moskau wird nicht nachlassen, die Situation in Weißrussland zu seinen Gunsten zu verändern. Man hat die Ereignisse vom Herbst 2013 in Kiew noch in guter Erinnerung. Damals schien alles ruhig zu sein und nichts es schien, das niemand den Assoziierungsprozess der Ukraine mit der Europäischen Union aufhalten könne. Genau in dieser Phase hat Moskau den hybriden Krieg gegen die Ukraine begonnen, ruhig und von den Menschen kaum wahrgenommen.

In der ukrainischen Presse befürchtet man, dass Russland ein ähnliches Szenario in seinem Nachbarland starten wird oder längst getan hat.

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