„Plan C“ – oder wie der Kreml „Klein-Russland“ spielt

Eine Übersetzung des Artikels auf sprotyv.info, der auf einer Veröffentlichung bei RadioFreeEuropa beruht.

Ist Wladislaw Surkow der Vater des Projektes „Klein-Russland“? Es ist bisher der einzige Politiker und Kreml-Beamte, der in der vergangenen Woche die Aussagen des Seperatistenführers Alexander Zakharchenko unterstütze, die Ukraine durch Klein-Russland zu ersetzen, der Hauptstadt Donezk sei, so RadioFreeEurope.

Kurz danach distanzierten sich der Pressesprecher des Kreml Dmitri Peskov und der Verhandlungsführer Russlands für die Ukraine Boris Gryslow von dieser „Idee“. Surkow sagte daraufhin:“Der Hype über diese Fantasien ist wenig nützlich“.

Er fügte hinzu, dass die Initiative von Zakharchenko darauf hindeutet, das er sich dafür einsetzt, die territoriale Integrität der Ukraine zu erhalten, und nicht nur eines Teiles davon. In der Ukraine findet ein Bürgerkrieg zwischen verschiedenen Kräften statt, die eine unterschiedliche Vorstellung von ihrer Zukunft haben. Kiew unterstützt die pro-europäische Idee, der Donbass antwortet mit der Idee von „Klein-Russland“. Zu der Reaktion von Surkow muss gesagt werden, dass er eine Schlüsselfigur in der Politik des Kreml der Ukraine ist, der auch an der Entwicklung der Durchführung dieser Politik beteiligt ist.

Und außerdem ist die Initiative „Klein-Russland“, eines virtueller Staates, erklärt von einem treuen Vertrautem des Kreml, der seinen Interessen dient. Auch wenn es Fakten gibt, die dagegen sprechen, trägt das Projekt die Handschrift Surkows.
Das sieht genau so aus wie früher, als der wichtigste politische Manager der Kreml diverse politische Parteien, gesellschaftliche Bewegungen oder andere Projekte initiierte.
Und das entspricht den heutigen Forderungen des Kreml.

Russland will den Konflikt im Osten der Ukraine nicht einfrieren, oder es nützt ihm nichts. Genau um diesen Krieg geht es.

In dem Krieg im Donbass ging es nie nur um den Donbass. Es war immer auch ein Mittel zur Zerstörung und Kontrolle des ganzen Landes.

Wie der Militär-Analytiker Pavel Felgenhauer sagt, entspricht das Projekt „Klein-Russland“ den aktuellen strategischen Zielen des Kreml, die Ukraine unter ihre Kontrolle zu bringen, als Teil der sogenannten „Russischen Welt“. Daraus folgt, das Zakharchenko alles auf einmal erreichen sollte.

Die Überladung des Krieges

Wenn die PR-Abteilungen des Kreml und ihre Treuhänder schon nach neuen Name, genauer gesagt nach historischen Bezeichnungen suchen, ist das ein Zeichen dafür, das dieses Thema nicht von der Tagesordnung gestrichen wurde.

Nachdem der Krieg im Donbass begann, kamen die Begriffe „Neu-Russland“ oder „Neues Russland“ in Moskau in Mode, auch um alle zwei Wochen neue Landstriche in der Ukraine zu besetzen, von Charkiw im Norden bis Odessa im Süden.

Aber es gibt ein weiteres Stück des Puzzles.

Nach Aussagen des Vorsitzenden ukrainischen Geheimdienstes Wassili Gritsak, hat Wladimir Putin im Mai Surkow vor hochrangigen russischen Beamten dafür scharf kritisiert, das er die Situation in der Ukraine nicht destabilisieren konnte.

Gritsak ergänzte noch, das Putin eine neue Aufgabe gestellt, in kürzester Zeit ein neues Regime in der Ukraine zu installieren.

Diese Anforderung ist natürlich schwer zu überprüfen. Aber ist eindeutig, das die Spannungen in den vergangenen zwei Wochen eine deutlich zugenommen haben.
Die Ukraine war das Ziel von umfangreichen Cyber-Angriffen. Zwei Offiziere der Militäraufklärung wurden im Juni getötet.

Darüber hinaus haben Mitarbeiter der OSZE festgestellt, das im Verlaufe der zweiten Juli-Woche der Waffenstillstand wesentlich öfter gerochen wurde als sonst üblich (20% mehr).

Der Generalstab der Ukraine teilte zudem mit, das Russland weitere drei Motschützen-Divisionen an der Grenze zur Ukraine stationiert hat, die für schnelle Angriffs-Operationen ausgerüstet sind.

Übergang zu Plan C

Die Initiative „Klein-Russland“ darf man nicht isoliert betrachten, sondern muss sie in einem größeren Kontext betrachten.

„Den Kreml hat der Donbass nie interessiert. er hat den Konflikt im Jahre 2014 in der Annahme vom Zaun gebrochen, das Kiew schnell kapituliert und die Bedingungen Moskaus akzeptiert.“ – sagte Mark Galeotti, langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter des Institutes für internationale Beziehungen in Prag, in einem Artikel für die Zeitung Intellinews. „Als dies nicht gelang, arrangierten sich die Russen mit den Gängster-Königreichen, die am Tropf des überlasteten Staatshaushalts hängen.

Russland scheint bereit, zum Plan C überzugehen.

Plan A beinhaltete die Besetzung der sogenannten Region „Neu-Russland“ und die Bildung einer Landbrücke zur Krim. Die östliche Ukraine sollte dabei als Brückenkopf dienen.

Dieser Plan scheiterte, als die Bewohner der östlichen Regionen sich als loyaler gegenüber Kiew erwiesen, als man erwartet hat. Auch die ukrainische Armee reagierte wesentlich besser, als der Kreml gedacht hat.

Daraufhin ging der Kreml zu Plan B über: Die Regierung in Kiew sollte die von Moskau kontrollierten Gebiete, Teile der Donezker und Luhansker Region, in eine dezentralisierte und unglückliche Ukraine integrieren.

Aber der Präsident der Ukraine, Petro Poroschenko hat seine Rolle sehr gut gespielt und hinderte Moskau an der Umsetzung seine Pläne mit Friedensabkommen von Minsk (Anm TB: Minsk ||).

Alles was wir zur Zeit erleben, deutet auf Plan C hin: Erneute Anstrengungen an zahlreichen Fronten, die Ukraine zu destabilisieren.

Quellen

Autor RadioFreeEurope übersetzt durch die Gruppe „IS“
Textquelle sprotyv.info
Bildquelle sprotyv.info und RadioFreeEuropa
Übersetzer Thomas Bergmann