Wann wird die Krimbrücke einstürzen?

Das ukrainische Ministerium für Fragen der zeitweise besetzen Gebiete kam nach der Auswertung von Satellitendaten zu der Erkenntnis, dass sich die Krim-Brücke an einigen Stellen absenkt und an anderen anhebt. Eine Übersetzung des Artikel von Denis Lavnikiewicz, „Delowaya Stoliza“, erschienen auf politua.org.

Es wäre aber zu früh, den Zusammenbruch der Brücke in naher Zukunft zu erwarten. Diese aktuelle Situation wird bereits von allen Seiten für Propagandazwecke ausgenutzt, schreibt Denis Lavnikevich für „Delowaja Stoliza“.

Der Krimbrücke, Russlands eilig erstelltes physisches Symbol der Machtübernahme über die besetze Krim, so wie jedes andere „politische“ Konstrukt, stehen Schwierigkeiten bevor. Schon während der Bauphase gibt es zahlreiche Zwischenfälle, erst kollidiert ein Schwimmkran mit einem Brückenpfeiler, dann stürzt eine Eisenbahn ins Wasser oder es werden 40 tausend Liter Alkohol beschlagnahmt.

Die Brücke schwebte

Heute ist die Situation aber wesentlich ernster. Experten des Ministeriums für Fragen der zeitweise besetzen Gebiete teilen mit, dass sich die illegal errichtete Brücke verschieben wird. An einigen Stellen sackt die Brücke ab, an anderen Stellen hebt sie sich. Das deute auch die Instabilität des Meeresbodens an den Stellen hin, an denen die Pfeiler platziert wurden.

Im Ministerium werden die Bilder mit den entsprechenden Erläuterungen veröffentlicht. Es geht besonders um mehrere kritische Abschnitte der Krimbrücke, an denen Veränderungsprozesse stattfinden. „Im Bereich des künstlichen Damms auf Seite der Halbinsel werden Objekte mit vertikaler Verschiebung markiert. Sie senken sich mit einer Geschwindigkeit von bis zu 89 mm pro Jahr ab oder heben sich bis zu 52 mm pro Jahr an. Im mittleren Teil der Brücke wird der Bogen der Eisenbahnbrücke mit einer Geschwindigkeit von 30 mm pro Jahr angehoben. Die Straßenbrücke sackt jedoch mit einer Geschwindigkeit von bis zu 32 mm pro Jahr ab“, heißt es in der offiziellen Stellungnahme.

Das Ministerium sagt auch, dass es auf dem Gebiet der Insel Tusla zwei kritische Abschnitte gibt. Der erste Abschnitt ist ein Teil der Nehrung und sinkt mit einer Geschwindigkeit von 10 bis 90 mm pro Jahr. Der zweite Abschnitt befindet sich in der Nähe der Brücke und sinkt mit einer Geschwindigkeit von 83 mm pro Jahr. „Schwierige Wetterbedingungen, besonders im Winter, und seismische Aktivitäten können die destabilisierenden Faktoren der Krimbrücke noch verstärken“, sagen die Experten des Ministeriums.

Russland reagierte auf die ukrainischen Erkenntnisse operativ, mit dem üblichen spöttischen Ton. Das Informationszentrum der „Krimbrücke“ veröffentlichte auf der Facebook-Seite der Brücke einen Beitrag der Brücke: „Die Stimmung verschiebt sich wieder in Richtung Humor, und ich (die Brücke) werde immer an meinem Platz stehen. Ich dachte, ich muss mir keine Sorgen machen, aber die Mythen sind wieder bedient“. Diese Mitteilung wurde von allen führenden Massenmedien der Russischen Föderation als offizielle Stellungnahme zu diesem Thema übernommen.

Wir wurden schon einmal gewarnt

In der Antike fuhr ein schwer beladener Wagen über eine neu gebaute Brücke. Unter der Konstruktion stand der Erbauer. Das heißt, er hat buchstäblich die Folgen eines möglichen Fehlers zu spüren bekommen. Diese Tradition ist leider in Vergessenheit geraten. Und man muss die Brücke aus dem Weltraum untersuchen, um festzustellen, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Andererseits stehen den Brückenbauern heute alle Möglichkeiten der modernen Wissenschaft zur Verfügung.

Erst Mitte Oktober schrieb der israelische Blogger Eli Belenson auf dem ukrainischen Portal der Seite „Obozrevatel“, dass der Bau der Krimbrücke sehr riskant ist, selbst die Bauphase sei sehr problematisch. Der Blogger sagte, dass Ingenieurbauwerke wie Eisenbahnbrücken von auf festem Untergrund errichtet werden müssen, sonst kann die Konstruktion im Laufe der Zeit absinken, sich verformen und zusammenbrechen. Eli Belenson schreibt, dass er Dokumente studiert hat und daraus schlussfolgert, dass die Träger der Krimbrücke auf halbfestem Ton niedriger Dichte sowie auf losem und porösem Schlamm stehen.

„Die Planer der neuen Brücke versichern, dass es ausreicht die Pfähle in einer Tiefe von 58 m zu befestigen. Aber ist der halbfeste Ton ausreichend stabil für die Pfähle?“ – fragt der Blogger. Gleichzeitig räumt er ein, dass er sich bei seinen Recherchen auf eines der Interviews von Juri Medovar verließ, einem bekannten russischen Wissenschaftler, leitenden Forscher am Institut für Wasserprobleme der RAS.

In diesem Interview sagt Juri Anatoljewitsch, dass das Projekt des Baues einer Krimbrücke schon in den 1970 iger Jahren, in der Sowjetzeit, durch eine Expertenkommission abgelehnt wurde. Daran hat auch der Druck der Parteiführung der UdSSR nichts geändert, die weitere Erfolge im Rahmen des Fünfjahrplanes verkünden wollte.

Die Experten haben damals schon auf die ungünstigen geologischen Bedingungen in der Region hingewiesen. Das Hauptproblem des Projektes sind nach Ansicht des Wissenschaftlers die losen schlammigen Bodensedimente und die sogenannten „Floats“. Das sind driftende Bereiche der verflüssigtem Meeresbodens, die aus kolloidalen Sand und Tonpartikeln bestehen, die wiederum größere Teile bilden.

„Ein solches Gutachten zu Zeiten der Sowjetunion, wo angesehene Fachleute mit einem umfangreichen Wissen saßen, zu veröffentlichten war ausgesprochen schwierig. Sie haben das Projekt der Krimbrücke abgelehnt. Warum? Es gibt dort eine ausgesprochen schwierige geologische Situation. Eine sehr komplexe Geologie. Es gibt dort Schlamm-Vulkane, sechs horizontale Grundwasserleiter und auch noch Karst, sagte Juri Medovar 2016 in einem Interview. Und wo werden wir jetzt die Pfeiler platzieren. Hören Sie, man kann dort keine Pfeiler platzieren. Es ist ein Meer plus 80 Meter Bodensedimente.

Sie wissen bestimmt, dass dort ein Schwimmkran gesunken ist. Man kann ihn nicht finden, weil es in dem Bereich riesige Bodensedimente gibt. Er ist umgekippt und gesunken, dass war es. Man muss Geophysik betreiben, um herauszufinden, wo er liegt. In dem Bereich münden außerdem noch zwei Flüsse: Don und Kuban. Und es kommt zur Entsalzung des Meerwassers, dass heißt es kommt zum teilweisen Einfrieren der Wasseroberfläche. Das ist eine stürmische Situation.

Bauen kann man sicherlich alles, das stimmt, aber zu welchem Preis, in welcher Zeit. In Rostow am Don sind zum Beispiel zwei Brücken zusammen gebrochen. Noch besseres Beispiel ist, zurück zu unseren Schafen, Borisoglebsk. Ich habe es selber gesehen. Sie bauten eine Brücke, welche zusammen brach und seine Erbauer unter sich begrub.“

Etwas später hat auch der ehemalige Minister für Tourismus der Republik Krim Alexander Liyev gesagt: „Das größte Problem ist, dass es dort eine sehr mobile Landschaft gibt. Es gibt dort eine schwierige Überlappung tektonischer Platten und eine damit einhergehende seismologische Gefahr. Diese natürlichen Phänomene, die wir in diesem Bereich kontinuierlich festgestellt haben, hätten bei der Planung einer solchen Brücke berücksichtigt werden müssen. Wie sie in diesem sehr schwierigen Projekt berücksichtigt wurden, kann ich nicht sagen“.

Wie wir heute sehen, hat für den Kreml der politische Nutzen der fertiggestellten Krimbrücke einen höheren Stellenwert, wie die Einwände von Geophysikern und Bauherren.

Unterdessen teilten uns die russischen Kollegen mit, dass die Propaganda-Zentren der Russischen Föderation schon an einer Erklärung zu den Äußerungen des ukrainischen Ministeriums für Fragen der zeitweise besetzten Gebiete bezüglich des Absenkens der Krimbrücke in einem neuen Kontext arbeitet. Diese Erklärung steht in einem engen Zusammenhang mit anderen Ereignissen. Wie zum Beispiel der Entsendung des britischen hydrographischen Vermessungsschiffes „Echo“. Oder mit der bevorstehenden Entscheidung der EU-Staaten, wegen der Situation im Asowschen Meer „gezielte Maßnahmen“ gegen Russland zu ergreifen. Das alles wird uns als „neue Runde antirussischer Propaganda“ präsentiert.

Denis Lavnikiewicz, „Delowaya Stoliza

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