Warum haben die Russen eine Filiale der IPPO in London eröffnet?

Am 21, Februar 2019 wurde die britische Filiale der Kaiserlichen Orthodoxen Palästina-Gesellschaft in London eröffnet. Als wäre es was völlig normales, begrüßt die Sprecherin des Außenministeriums Maria Zakharova die Eröffnung einer Zweigstelle einer Nichtregierungsorganisation in einer offiziellen Stellungnahme. Vor dem Hintergrund der drastischen Verschlechterung der Beziehungen zu Großbritannien und der Vergiftung in Salisbury sieht das sehr merkwürdig aus.

Wollen die Russen wirklich die Beziehungen wiederherstellen, beginnend mit dem kulturellen Leben? Eine Antwort auf diese Frage versucht der Journalist Dmitry Gorevoy in seinem Artikel für lb.ua zu finden.

Die IPPO ist eine internationale Gesellschaft, die Ende des 19. Jahrhunderts gegründet wurde. Zu den Zielen der Organisation gehören die „Förderung der russisch-orthodoxen Kirche“ und die „Ausbau der Beziehungen zwischen der Russischen Föderation und den Ländern des Mittleren und Nahen Ostens“. Es stört sich scheinbar niemand daran, dass Großbritannien aufgrund seiner geographischen Lage mit den Zielen nicht vereinbar ist.

Nach den Aussagen des Internet-Auftritts der IPPO bestehen die Hauptaktivitäten in der Organisation von Ausstellungen, Festivals und Konferenzen sowie der Erleichterung humanitärer Hilfe für Syrien und den Donbas. Nach Syrien werden Medikamente geliefert. Und der Donbas erhält russische Lehrbücher. Die Haupteinnahmequelle sind freiwillige Spenden und Mitgliedsbeiträge. In den vergangenen fünf Jahren sind die finanziellen Mittel der Organisation um mehr als das 15-fache in Rubel oder dem 7-fachen als Dollar-Äquivalent angewachsen. Bis Ende 2017 betrug der Gewinn der Gesellschaft 2.8 Millionen Rubel, bei einer Billanz-Summe von 140 Millionen Rubel (2,1 Millionen Dollar).

Der Leiter der Organisation ist Sergei Stepashin. Er hat solide Referenzen: Direktor der Gegenaufklärung, Direktor des FSB, Justizminister, Premierministers und Vorsitzender der Rechnungskammer der Russischen Föderation. Das Kuratorium besteht aus Managern großer Unternehmen und wird von Nikolay Tokarev, dem Präsidenten und ehemaligen Generalmajor des FSB geleitet. In den 1980-iger Jahren war er zusammen mit Wladimir Putin in der Dresdner Niederlassung des KGB tätig. Die Verwaltungs-Strukturen der Organisationen bestehen aus russischen Regierungsbeamten, Botschaftern, Abgeordneten, Geistlichen und Kulturschaffenden. Es gibt jedoch keine vollständige Liste der Vollmitglieder der Organisation.

Die Londoner Filiale der IPPO wird von Michail Winn-Parker, einem britischen Aristokraten geleitet, der schon sein ganzes Leben gesellschaftlich tätig ist. Er war Mitglied verschiedener Organisationen und Gesellschaften in Sri Lanka und Nepal bis hin zur Organisation der britischen Streitkräfte. Früher leitete Winn-Parker das Kuratorium der IPPO-Niederlassung in Estland und war Mitglied des wohltätigen Fonds des St. Gregory der Estnischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats. Die Stiftung organisiert verschiedene Konferenzen und Ausstellungen zur Förderungen der russischen Kultur in Estland.

Die Eröffnung der britischen Niederlassung ist formal mit dem Gedenken an Prinzessin Elisabeth Romanow, der Enkelin Königin Victoria von England, verbunden.

Zur Zeit befindet sich die Niederlassung im Prozess der Gründung. Es ist schwer, zu sagen, was sie abweichend von den offiziellen Zielen unternehmen wird. Nach der Analyse der Aktivitäten anderer Niederlassungen der IPPO in anderen Ländern kann sich aber ein Bild über die Organisation machen.

Das Beispiel Griechenland

Im Sommer des vergangenen Jahres kam es zu einem diplomatischen Skandal zwischen Russland und Griechenland. In dessen Folge wurden zwei Bürger Russlands ausgewiesen, zwei weitere erhielten ein Einreiseverbot. Ihnen wurde vorgeworfen, dass sie versuchten die Vorsitzenden Metropoliten der orthodoxen Kirche Griechenlands zu bestechen. Die Namen der betroffenen Personen wurden nicht genannt, nur eine Organisation – die Kaiserlichen Orthodoxen Palästina-Gesellschaft.

Die griechische Niederlassung der IPPO wird von dem Geschäftsmann Simos Panagiotidis geleitet. Früher war er CEO der Firma Aktor Concessions SA und der Aktor SA. Diese Firmen engagierten sich zusammen mit der VTB-Bank beim Bau der Abfallverwertungsanlage in St. Petersburg. Nach Angaben der griechischen Medien wurde eine gegen Simon ein Strafverfahren wegen Betrugs eingeleitet in dem er zu sieben Jahren Haft verurteilt. Das Urteil ist allerdings noch nicht in Kraft getreten, da er Berufung eingelegt hat.

Der Stellvertreter von Simos ist der ehemalige russische Generalkonsul in Thessaloniki Alexei Popov. Er ist einer der entsandten Diplomaten. Nach dem er durch den heutigen Generalkonsul der Russischen Föderation Alexey Shcherbakov abgelöst wurde, übernahm er die Funktion des stellvertretenden Leiters der griechischen IPPO-Niederlassung. Es ist ein langjähriger Mitarbeiter Außenministeriums der Russischen Föderation, spricht fließend griechisch und verpasst fast nie ein bedeutendes kirchliches Ereignis auf dem Berg Athos.

Athos ist der Name eines Berges im Norden Griechenlands. Das ist eine besondere Klostersiedlung mit dem Status einer autonomen Republik. Und Athos ist noch ein weiterer Kriegsschauplatz im Kampf zwischen Moskau und Konstantinopel. Es ist eine Tatsache, dass die Athos-Mönche in der orthodoxen Welt eine große Autorität verfügen und ihre Unterstützung, also ihr Segen, eine Art Legitimation ist. Das Kloster Athos steht unter der Gerichtsbarkeit von Konstantinopel. Aber besonders eifrige Mönche kritisieren ihren Patriarchen für seine übertriebene Offenheit in theologischen Fragen. Und mit diesen Widersprüchen spielt Moskau. Nach Angaben griechischer Medien haben Russen ungefähr 200 Millionen Dollar in Athos investiert. Ähnlich sieht die Situation bei den griechischen Klöstern auf dem Festland aus. Um Korruption und den Missbrauch von Mönchen in Kampagnen der Massenmedien zu verhindern, hat die Synode der Kirche von Griechenland im August 2018 neue Regeln verabschiedet. Heute sind die Klöster und die zugehörigen Ländereien den lokalen Metropoliten unterstellt. Die bisherige Autonomie der Klöster wird abgeschafft.

Durch die konservativen Klostergemeinschaften ist es recht einfach, die Ideen Russlands als belagerte Festung, Putin als Verteidiger des orthodoxen Glaubens und das Erscheinen von Catechin, dem Antichristen, zu verbreiten. Die Nachrichten richten sich an die Bevölkerung, die später dann in die Bewertungen von Wladimir Putin umgewandelt wird. Der Präsident der Russischen Föderation ist einer der beliebtesten amtierenden Politiker bei den gewöhnlichen Griechen. Diese Botschaften werden nicht nur zur Aufrechterhaltung der russophoben Stimmung, sondern auch für die anti-westliche Rhetorik verwendet. Darüber hinaus fallen die Ideen in Zeiten der griechischen Wirtschaftskrise in den vergangenen Jahren auf fruchtbaren Boden.

Außer der mentalen Beeinflussung unterschiedlichster Organisationen, wie auch der IPPO, entstehen in Griechenland Zeichen russischer Präsenz, wie zum Beispiel Denkmäler für russische Soldaten. Die Zwiebeltürme orthodoxer Kirchen sind für Griechenland hingegen nicht typisch. Einer dieser Tempel kostete die Russen über 5 Millionen Euro.

Die IPPO versucht, Kontakt zu den lokalen Metropoliten aufzunehmen und diese zu beeinflussen. Die griechische Ausgabe von Protagon.gr hat sogar eine Liste von Bischöfen veröffentlicht, die mit den Russen zusammenarbeiten. Eine russische Übersetzung erschien auf dem Portal Cerkvarium. Einer von ihnen ist der Metropolit Verija Seraphim, welcher während der Eröffnung der griechischen Niederlassung der IPPO 2016 der Organisation seinen Segen gegeben hat. Viele Personen auf dieser Liste kritisieren das Prespa-Abkommen zwischen Griechenland und Mazedonien, Letzteres umzubenennen. Das ist übrigens noch eine Anschuldigung an die Russen.

Im vorliegenden Fall ist der russische Geschäftsmann Ivan Savvidi bereits erschienen. Im Zentrum der Untersuchungen von Korruption und des organisierten Verbrechens steht der Vorwurf, dass Savvidi etwas 300000 Euro für Proteste in Mazedonien ausgegeben hat.

Trotz der plausiblen Erklärung der orthodoxen Kirche wurde sehr schnell klar, dass die griechische Regierung die Organisation nicht mehr als „gemeinnützig“ betrachtet. Höchstwahrscheinlich werden die Aktivitäten der Gesellschaft als Mittel der russischen Einflussnahme angesehen. Und sogar Stepaschin bestreitet nicht, dass die IPPO die „Soft Power“ Russlands ist.

Formal betrachtet ist die IPPO eine Nichtregierungsorganisation, die aber praktisch die Interessen des Kreml fördert. Die Situation in Großbritannien unterscheidet sich von jener in Griechenland im Wesentlichen dadurch, dass es dort keine orthodoxen Kirchen gibt, von der die Anerkennung der ukrainischen Autokephalie abhängt. Die Ziele der IPPO sind in London dieselben, wie in anderen Ländern. Genau so wie die Gesellschaft von ehemaligen (?) Offizieren des KGB/FSB geführt wird, besteht der schwerwiegende Verdacht, dass die Niederlassungen der IPPO für die Aufklärung eingesetzt wird.

Nach der Vergiftung von Skripal wurden Mitarbeiter der russischen Botschaft nach Salisbury geschickt, um Informationen zu sammeln. Sie versteckten sich dabei hinter ihrer diplomatischen Immunität. Man wollte sich offensichtlich nicht mit der Situation im Kreml abfinden und schickte wahrscheinlich die Agenten der IPPO nach London. In diesem Fall wären die Geschichten zur Aufrechterhaltung der Erinnerung an Prinzessin Elisabeth nur ein schönes Bild um die wahren Ziele der Organisation zu verschleiern.

Dmitry Gorevoyhttps auf sproty.info

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