Wie der Kreml seine Vasallen mit Ausrüstung und Personal unterstützt

Eine Übersetzung des englischen Artikels, erschienen auf sprotyv.info im Oktober 2017.

Die Erfahrungen zeigen, wenn Putin seine ukrainischen »Brüder« ruft und die Russische Federation ein internationales Sportereignis vorbereitet, kann man von einen hinterlistigen Trick ausgehen. Besonders, wenn es neben indirekten auch noch direkte Hinweise auf bevorstehende Aggressionen gibt. Unter dem Vorwand, sich auf die bevorstehenden Fußballweltmeisterschaft 2018 vorzubereiten, verlegte Russland Truppen und Ausrüstung in die Grenzregionen zur Ukraine, sowie neue Waffen, Munition, Kraftstoff und Schmiermittel in die besetzten Gebiete Donezk und Luhansk. Aus heutiger Sicht können wir sagen, das die Personalstärke der Brigaden, Regimenter und einzelnen Bataillone des Ersten und Zweiten Armee-Korps ihre Soll-Stärke erreicht haben.

Schauen wir uns die Faktoren näher an, die der Kreml anwendet, um militärischen Druck auf die Ukraine auszuüben.

Im Zeitraum von 2015 bis 2017 hat die Verwaltung des Donbass große Anstrengungen unternommen, die Transport-Infrastruktur wieder herzustellen. In einigen Fällen können wir sogar von einem Wiederaufbau sprechen. Im Vordergrund stand dabei die Erhöhung der Transportkapazitäten.

Diese Wiederherstellung hat durchaus einen spezifischen Charakter. Diese Entwicklung betrifft zunächst die Nebenstraßen, die Landstraßen, Kreuzungen, Brücken, Überführungen Autobahnanschlussstellen, mit dem Ziel, die Manövrierfähigkeit der Truppen im Operationsbereich zu verbessern. Die Arbeiten wurden mit Unterstützung russischer Fachleute und Ausrüstung durchgeführt, die auch für das Material und die Finanzierung sorgten.

Im Bereich der LNR wurden beispielsweise verschiedene Abschnitte der Luhansker Landstraßen, Brücken und Überführungen der Schnellstraße N21 wiederhergestellt, in der DNR war es unter anderem die Instandsetzung der Straße zwischen Uglegorsk und Debaltsevo.

Zur gleichen Zeit wurden auch mehrere Straßen in den Regionen Rostow, Wolgograd und Krasnodar instand gesetzt, die im Zuständigkeitsbereich des südlichen Militärbezirkes der Russischen Federation liegen. Es ist auch bezeichnend, dass die Arbeiten in jenen Gegenden begonnen wurden, die an die Ukraine grenzen, einschließlich der besetzen Gebiete im Donbass. Unter dem Deckmantel der »Vorbereitung auf die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2018« wird auch die Kapazität der Verkehrswege zur Grenze ausgebaut, einschließlich neuer Querverbindungen (einschließlich jener zur »Umgehung der Ukraine«) und Verkehrsknotenpunkte, neben den bereits vorhanden.

Die Einheiten des Ersten und Zweiten Armee-Korps der russischen Armee in der östlich Ukraine haben an der Kommando-Übung »Kawkaz-2016«(5. bis 9. September 2016) teilgenommen.

Russische Einheiten vor der Kamera ... die staatlichen Schauspieler

Russische Einheiten vor der Kamera … die staatlichen Schauspieler (Quelle: Sprotyv.Info)

Im Jahr 2015 wurden für die Arbeiten 200-250 Millionen Rubel pro Monat aus dem Staatshaushalt der Russischen Federation bereitgestellt, oftmals waren es 300-350 Millionen Rubel. Alleine für die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur in der Region Rostow hat man ungefähr 40-42 Milliarden Rubel vorgesehen.

Es ist eine sehr geschickte »Rekonstruktion« des Schienennetzes in verschiedenen Bereichen zur Erhöhung der Transportkapazität, besonders in Richtung Ukraine und die besetzten Gebiete.

Die Spezialisten in unserer Gruppe (sprotyv.info) haben schon lange registriert, das die Besatzer ihre Transportkapazitäten und Be- und Entlade Stationen stetig erweitern, einschließlich dem Handling größerer Objekte, in Russland und in den Regionen Luhansk und Donezk. Neue Verladerampen, Zufahrtsstraßen, Parks und Lagerhallen werden errichtet. Die Stationen werden großen Zugmaschinen und Kränen ausgerüstet, die zur Verladung von schwerer militärischer Ausrüstung und Bewaffnung geeignet sind.

Die Arbeiten zur Verbesserung des Transportnetzes in Russland selbst wird aktiv unter Verwendung des lokalen Etats (hauptsächlich für das lokale Transportnetzes, das auch hohen militärischen Wert hat), sowie dem Aufbau einer neuen militärischen Infrastruktur in südwestlicher strategischer Richtung, finanziert durch das Verteidigungsministerium der Russischen Federation, durchgeführt.

In der jüngsten Vergangenheit (im September-Oktober 2017) führt das Kommando der Besatzungstruppen Maßnahmen für operative Koordinierung und Ausbildung der Kampfverbände durch, dabei standen vor allem offensiv Themen mit hochbeweglichen Einheiten im Mittelpunkt.

Die Übungen finden bereits auf Bataillons- und Brigade-Ebene unter Einbeziehung kombinierten Feuers und der Einbeziehung der Stäbe aller Ebenen, wie Artillerie und Panzer, statt. Bis jetzt haben 2 Infanterie-Brigaden, 1 Artilleriebrigade, 1 verschiedene motorisierte Infanterie-Regimenter und 2 selbstständige Bataillone des Ersten Armee-Korps sowie 1 selbstständige motorisierte Infanteriebrigade, 2 selbstständige motorisierte Infanterieregimenter und 1 selbstständiges Bataillon des Zweiten Armee-Korps den Trainings-Zyklus erfolgreich absolviert und sind voll einsatzfähig. Zur Zeit durchlaufen 1 selbstständige motorisierte Infanteriebrigade des Ersten Armee-Korps und 2 Bataillone des Zweiten Armee-Korps die Ausbildung.

Darüber hinaus darf man nicht vergessen, dass die russische Armee weiterhin die Kampfkraft der eigenen Truppen entlang der südwestlichen Grenze zu erhöht. Die Aktivitäten Russischen Armee waren mit der strategischen Übung West-2017 nicht beendet, sondern es folgte ein ganzer Komplex strategischer großräumiger Übungen, nun ausschließlich russische Manöver »West«. Die Manöver sollen bis November andauern und mit einer Überprüfung der Leistungsfähigkeit und Kampfkraft abschliessen (man kann nur spekulieren, was damit gemeint ist).

Die Anführer der bewaffneten Gruppierungen im Donbass sammeln auch weiterhin materielle und technische Mittel zur Durchführung ihrer Operationen.

Das sind vor allem die Vorräte an Munition und Kraftstoff. In diesem Jahr hat man jeden Monat 300-350 Tonnen Munition aus Putins »WoenTorg« erhalten, in manchen Monaten sogar 450-500 Tonnen, was 10 mal mehr ist, als an der Front und auf dem Übungsplatz durch das Erste und Zweite Armee-Korps verbraucht werden. Der überwiegende Teil macht die Lieferung von Granaten (Rohr- und Raketen-Artillerie), Minen (Granatwerfer) und Panzerabwehr aus. Ein bedeutender Teil dieser hochexplosiven Waren wurde während der verschiedenen Waffenruhen zur Verfügung gestellt, als der Verbrauch gering war und man die Möglichkeit hatte, die Waren systematisch einzulagern und zu verteilen.

Das Gleiche gilt Treibstoffe und Schmierstoffe. Das Erste und Zweite Armee-Korps erhalten normalerweise ungefähr 2.000 Tonnen Kraftstoff pro Monat, vorwiegend Diesel. Aber im laufenden Jahr erreichte das Volumen 3000 Tonnen pro Monat, manchmal sogar 3500-4000 Tonnen. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Führung der Besatzungskräfte seit Ende letzten Jahres eine »drakonische« Brennstoffwirtschaft in Einheiten und Untereinheiten beider »Armeekorps« einführte, übersteigen diese Volumina deutlich den monatlichen Verbrauch der Invasoren für »Krieg«, tägliche Aktivitäten und Ausbildung (ausgenommen ein paar Monate im Sommer). An der Stelle kann man klar sagen, das hier eine Menge Kraftstoff angesammelt wurde.

Die Führung des Ersten und Zweiten Armee-Korps füllen mit Hilfe von Putin’s »WoenTorg« ihre Einheiten mit neuen oder reparierten Waffen und Ausrüstung (also Ausrüstung der Russischen Armee, was der Mobilmachungsreserve entnommen wurde) auf und erhöhen so ihre Kampfkraft.

Und weil man hier sehr vorsichtig agiert (Lieferungen erfolgen nur in geringem Umfang zu 8 – 10 Einheiten) und die Transporte gut getarnt sind, können wir davon ausgehen, dass der Umfang insgesamt sehr massiv ist. Zudem bestätigt der Befehl an die lokalen Kommandeure vor Ort, entsprechende Reparatur- und Instandsetzungsbasen aufzubauen, das sich schon zahlreiche Waffensysteme und militärische Ausrüstung in den beschlagnahmten Werkhallen befinden.

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Im Laufe dieses Jahres wurden die bewaffneten Gruppierungen des Ersten und Zweiten Armee-Korps mit militärischer Ausrüstung (beide im Rahmen von Reparatur und Instandsetzung) von ungefähr 30-35 Einheiten gepanzerter Fahrzeuge und 45 – 50 Einheiten ungepanzerte Fahrzeuge pro Monat ergänzt. Obwohl es Monate ohne Lieferungen gab, werden pro Monat nicht mehr wie 10 – 12 gepanzerte und ungepanzerte Fahrzeuge geliefert. Daneben gibt es einige Exemplare modernen »Neuheiten« des russischen militärisch-industriellen Komplexes, welche regelmäßig in den Einheiten des Ersten und Zweiten Armee-Korps auftauchen, Standardausrüstung der Russischen Armee, welche unter Kampfbedingungen im Donbass erprobt wird.

Heute können wir sagen, das Bewaffnung, Ausrüstung und Personalstärke aller Brigaden, Regimenter und selbstständiger Bataillone der beiden Armee-Korps fast ihre vorgesehene Soll-Stärke erreicht haben.

Vom technischen Standpunkt aus gesehen, ist der Unterschied zu 2015 gewaltig. Auf der anderen Seite hat man noch eine Anzahl von den spezifischen Problemen haben, wie die auf der Reparatur und Wartung der Waffen und militärischen Ausrüstung, was hauptsächlich auf die chaotischen Zustände und fehlende Material zurückzuführen ist. So gibt es zum Beispiel nicht genug Spezialfahrzeuge in den einzelnen Brigaden. Auch die Verwendung von zwei unterschiedlichen Panzertypen in den Einheiten mach die Bedienung und Wartung sehr schwierig. Es fehlen zum Beispiel Ersatzteile und ausgebildetes Personal für die Reparatur und Wartung.

Die russische Führung vervollständigt aktiv und auf verschiedenen Wegen das Erste und Zweite Armee-Korps mit Personal, hier hat man ja gewisse Erfahrungen.

Wie wir wissen, gab es einen bedeutenden Mangel an Personal im Ersten und Zweiten Armee-Korps. In den Brigaden war das 1. Bataillon mit 65 – 75% aufgefüllt, das 2. Bataillon war in der Regel nur mit 40-50 % besetzt, mehrere Spezialeinheiten für »Sabotage und Aufklärung« oder »Feuer-Überfälle« werden aus den selben Batallionen zusammengestell, das 3. Bataillon existierte oft nur auf dem Papaier, hier wurden Leute zusammengefasst, die nicht in das 1. oder 2. Bataillone passten. Zum Beispiel gab es im Jahr 2015 nur 2 Brigaden von 3 Bataillonen im Ersten Armee-Korps, und es gab keine im Zweiten Armee-Korps.

Aber Ende 2015 wurden diese Brigaden und selbstständigen Bataillone langsam mit Soldaten, Waffen und militärische Ausrüstung aufgefüllt. Heute sind diese Verbände mehr oder weniger ausgerüstet. Das zur Verfügung stehende Personal erlaubt es, Aufgaben in der Verteidigung zu lösen, im Graben und Mobil.

Wenn wir im Jahr 2015 von 30 – 35 Tausend Mann in beiden Korps ausgehen, dann bestand eine durchschnittliche Brigade im Ersten Armee-Kops aus 1000 Mann und im Zweiten Armee-Korps aus bis zu 700 Kämpfern, heute sind es bis zu 2 tausend Mann in einer Brigade des Ersten Armee-Korps und 1.5 bis 1.7 tausend Mann in einer Brigade des Zweiten Armee-Korps.

Erst vor kurzem (vor 2,5 – 3 Monaten) hat die Mannschaftsstärke in den beiden Armee-Korps stark zugenommen. Die Rekruter haben sich »an die Menschen gewandt«, wie sie sagen. Sie nutzen all ihre Möglichkeiten, von der Plakat-Werbung, Agitatoren auf der Straße, Agitatoren in Schulen, Berufs- und technische Einrichtungen, »verstaatlichten« Minen und Fabriken, bis hin zu »großangelegten militärischen Übungen« für Wehrpflichtige mit persönlichen Auftritten von Zakharchenko und Plotnitskiy.

Auf der anderen Seite wurden verschiedene Arten der »Donbass Hilfsorganisationen« in der Russischen Federation reaktiviert, die unter Schirmherrschaft des FSB und GRU stehen.

Es wurde klar, dass beide Armee-Korps dringend Personal in bedeutenden Umfang benötigten. (Der Grund ist Thema eines anderen Gespräches).

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Nach unseren Informationen (sprotv.info) beabsichtigt der Russische Generalstab die Manschaftsstärke der beiden Armee-Korps im Donbass auf 40 – 42 Tausend Mann (minimum 38 Tausend) innerhalb der kommenden 2 -3 Monate zu erhöhen, vorwiegend wegen der »lokalen Basis«.

Diese Aufgabe ist extrem schwierig, da der Wunsch, den Verbänden der Besatzungstruppen beizutreten und für die russische Welt zu kämpfen bei der örtlichen Bevölkerung irgendwie nicht zu erkennen ist. Die Dynamik im Sommer beim Personal-Ersatz in beiden Armee-Korps geben keinen Hinweis darauf. Zum Hintergrund: Im Durchschnitt haben sich 250 – 270 Personen zum Militärdienst gemeldet, davon wurden 110 – 115 in das Erste und Zweite Armee-Korps in einem Monat des vergangenen Sommers übernommen.

Zudem sollte man im Hinterkopf haben, dass im Ersten und Zweiten Armee-Korps das Verhältnis zwischen Bürgern von Ukraine und russischen Bürgern den Optimismus dieser Werbeoffiziere nicht widerspiegelt, vor zwei Jahren waren es 70 bis 30, heute sind es 40 bis 60.

Es muss auch bedacht werden, dass die russische militärische Führung die Kampfkraft seiner Gruppierung weiterhin auf Kosten der ukrainischen Bevölkerung erhöhen wird, und wenn man die eigenen Soldaten für das Fernsehen wieder als lokale Bergarbeiter einkleiden muss, die es so langsam nicht mehr gibt.

Quellen