Wie Putin seinen Gastgeber erpresst – ganz nach Freud

Den Besuch Wladimir Putins bei seinem französischen Amtskollegen Emmanuel Macron im Sommer 2019 während seines offiziellen Besuches haben wir alle in »freudiger« Erinnerung. Und wir diskutieren seit einiger Zeit darüber, welche Lehren daraus zu ziehen sind. Der militär-politische Analytiker Alexander Kovalenko hat in seinem Artikel die Pressekonferenz Wladimir Putins vor dm Treffen mit Marcon etwas genauer unter die Lupe genommen. Putin verwies in seiner Rede mit einem klassischen freudschen Schema auf die Proteste der »Gelbwesten« hin.

So erklärte Putin den anwesenden Journalisten zum Beispiel, dass die Ausmaße Proteste in Moskau mit jenen der »Gelbwesten« in Paris nicht vergleichbar sind.

Der Präsident der Russischen Föderation verdeutlichte seinen Standpunkt. Den Anwesenden fiel es schwer, ihm nicht zuzustimmen. Solche Äußerungen kurz vor dem Treffen mit seinem französischen Amtskollegen kommen einem Erpressungsversuch gleich.

Es ist nichts Neues, dass die Proteste in Frankreich zwei wesentlich Inhalte hatten. Im Vordergrund stand der Widerstand gegen die geplante Erhöhung der Benzinpreise. Daneben gab eine radikale Strömung, die den Rücktritt des französischen Präsidenten forderte.

Die radikale Strömung der »Gelbwesten« ist entstanden, nach dem sie von Vertretern der sogenannten »Front Nationale« unterstützt wurden, deren Vorsitzende Marine Le Pen ist. Sie ist für ihre erstklassigen Beziehungen zum Kreml sowie die umfangreichen finanziellen Zuwendungen ihrer russischen Freunde bekannt.

Und genau jene Vertreter der »Front Nationale« zeigten sich während der Proteste ausgesprochen aggressiv. Auffällig dabei ist, dass von Marine Le Pen kontrollierte Medien, wie zum Beispiel BFM TV, ausführlich darüber berichteten.
Es ist nicht weiter verwunderlich, dass ein wesentlicher Teil der Unruhestifter in Paris von Russland finanziert wurden. Viele dieser Leute sympathisieren offen mit den sogenannten Republiken im Osten der Ukraine. Einigen haben an Kampfhandlungen gegen die regulären Streitkräfte der Ukraine teilgenommen, schreibt Alexander Kovalenko in seinem Artikel.
Die Proteste wurden ebenfalls über die sozialen Netzwerke angeheizt. Tausende Bots verbreiteten zeitgleich vorgefertigte Nachrichten. Man forderte offen dazu auf, die »Tyrannei« von Marcon zu beenden.

Russland finanziert nicht nur die Proteste in Frankreich, in dem es die »Gelbwesten« und seine Medien unterstützt, sondern mischt sich mit Hilfe seines Agent-Netzes direkt ein. Und nur wenige Minuten vor dem Treffen mit Marcon sagt Putin vor Journalisten, dass er sich solche Proteste in Moskau nicht vorstellen könne. Er hat damit seinen Gesprächspartner, kurz vor den Gesprächen offen angriffen.

Beiden Protestbewegungen gemein ist, dass es zwei unterschiedliche Strömungen gibt. Die eine Strömung, meißt junge gewaltbereite Menschen, streben Veränderungen an, haben aber keinen wirklichen Führer. So treiben sie orientierungslos herum. Die zweite Gruppierung steht unter Kontrolle der bestehenden Strukturen. Sie wird von gestandenen Persönlichkeiten angeführt.
Jeder Vergleich hinkt. Aber in diesem Fall gibt es keinerlei Gemeinsamkeiten zwischen den Protestbewegungen in beiden Staaten.

Schon deshalb klingen die Worte Putins mehr als merkwürdig. Es sei denn, er beabsichtige den französischen Präsidenten darauf einstimmen, dass die Gespräche nach russischen Regeln verlaufen werden. Nach den ersten Ergebnissen des Treffens zu urteilen, hatte Putin mit dieser Taktik Erfolg.