Wiedergeburt eines Volkes

Ende August feiert die Ukraine mit dem Tag der Unabhängigkeit ihre Gründung 1991. Genauer müsste man es die erneute Gründung nennen. In der wechselvollen Geschichte dieses Landstrichs entstanden verschiedene Staaten. Der Kiewer Rus, der Kosakenstaat von Bogdan Chmelnitzky oder die Ukrainische Volksrepublik (UVR) sind uns allen in Erinnerung.

Der Landstrich zwischen den Karpaten, den endlosen Wäldern im Norden, der Steppe im Osten und dem Wasser im Süden liegt an wichtigen Handelsrouten in alle Richtungen. Hier finden sich fruchtbare Ackerflächen und wertvolle Bodenschätze. Vor seiner Küste wurden zudem bedeutende Öl- und Gas-Vorkommen entdeckt. Alle sind sehr gute Voraussetzungen um ins Fadenkreuz seiner mächtigen Nachbarn zu geraten.

Immer lagen die ukrainischen Gebiete auf dem Weg zahlreicher Expansionsversuche seiner Nachbarn. Nach der Zerstörung Kiews und dem Untergang des „Kiewer Rus“ im Jahre 1240, war die Geschichte der Ukraine durch Fremdherrschaft und Besatzung geprägt. Seither versuchen die Menschen, ihre Unabhängigkeit wieder zu erlangen.
In dem Interview zu seinem Buch „Genozid in der Ukraine in den Jahren 1932/ 1933“ beschreibt Valery Udovychenko wichtige Aspekte in der Entwicklung der Ukraine. Er zeigt deutlich die Zusammenhänge zwischen der historischen Entwicklung und der Hungersnot auf. Er zeigt auch Parallelen zu den jüngeren Ereignissen auf.

Vor 26 Jahren zerbrach die Sowjetunion, deren Mitglied auch die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik (USSR) war. Auf dem Gebiet der damaligen Sowjetrepublik entstand die heutige Ukraine. Zunächst ein formaler Schritt. Denn die über Jahrhunderte gewachsene Abhängigkeit vom Zarenreich ließ sich nicht ohne weiteres abschütteln. Erst mit der Maidan-Revolution im Winter 2013/2014 nahm das ukrainische Volk sein Schicksal wieder in die eigenen Hände und erhob sich.

Die Reaktion Russland ließ nicht lange auf sich warten, als es erkannte, das sein Einfluss sinkt. Kaum war das olympische Feuer in Sotschi erloschen, wurden Regierungsgebäude und militärische Einrichtungen auf der Krim besetzt. Wenig später begannen die gesteuerten Unruhen im Osten der Ukraine, die zur Besetzung weiter Landstriche geführt haben.

Russische Einheiten vor der Kamera ... die staatlichen Schauspieler

Der Tag der Unabhängigkeit ist nicht zuletzt auch ein Tag des Gedenkens. Vor frei Jahren wurden die ukrainischen Verbände in Ilowajsk eingeschlossen und zu einem großen Teil aufgerieben. In dieser Schlacht wurde das erste Mal die Beteiligung regulärer russischer Truppen nachgewiesen.

So ist es Tag der Freude, ein Tag der Trauer und vor allem ein Tag der Wiedergeburt.